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Betteln um Anerkennung, Anteilseigner und andere böse Märchen

15.07.08

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Die Plattform MySpace boomt und dem Geschichtenerzähler über eine Band, die ausschließlich über das Internet berühmt geworden ist, ist auch schon ein langer, grauer Bart gewachsen. Gerade junge Bands unternehmen viel, um im Netz potenzielle Hörer auf sich aufmerksam zu machen und sich bewusst in Szene zu setzen. Und neuerdings locken verschiedene Betreiber mit Plattenverträgen und Co.

Musikplattformen gelten als die Möglichkeiten handgemachte Musik an den Mann zu bringen, sich eine Fangemeinde aufzubauen und somit eventuell den Sprung ins Musikbusiness zu schaffen.

Seit geraumer Zeit lockt die Internetseite von Sellaband damit, mit diesem Traum wirklich Geld zu verdienen.
Das Prinzip erscheint simpel. Als Künstler präsentiert man sich mit 3 Songs, Videos, Bildern und vor allem Sympathie. Denn es gilt, so viele Believer wie möglich für sich zu gewinnen.
Diese wiederum müssen bereit sein Geld in ihre favorisierte Band oder besser gesagt in Sellaband zu investieren, um eine professionelle CD-Aufnahme zu ermöglichen. Die magische Geldmarke heißt in dem Fall 50.000 Dollar. Pro Anteil kostet das den Believer 10 Dollar.

Fraglich bleibt dabei, ob wirklich genau diese Summe benötigt wird ein Album zu produzieren, denn mit der Vermarktung und sämtlichen weiteren Kosten lässt Sellaband die Musiker im Regen stehen. Aber dafür hält man seine erste eigene CD in den Händen (das scheint wohl alle bestehenden Hürden auszublenden und der Pakt mit dem Teufel unterschreibt sich schneller), für die Believer gibt es eine Limited-Edition und das gute Gefühl etwas bewirkt zu haben (tja, andere spenden für Bedürftige) und für Sellaband gibt es sämtliche Rechte. Und an allen weiteren Umsätzen verdienen soll wohl auch jeder der drei Beteiligten.

Aber so lang sich jeder an diesem Aktienmarkt-Prinzip freiwillig beteiligt und das Gefühl hat, gewinnbringend aus der Sache rauszugehen, kann man vor diesem Konzept der Vermarktung nur den Hut ziehen.
14 Interpreten haben es bereits geschafft. Der jüngste ist Thomas Boissy aus Frankreich und ihm ist es gelungen den Schweinedeal in vier Monaten unter Dach und Fach zu bringen.

Der neue Coup von Universal fällt da etwas subtiler aus. Ihre Plattform Music Nation funktioniert auch auf dem altbewährten MySpace-Prinzip. Mit der dortigen Jury, die zum Beispiel aus Henning von den H-Blockx oder Rea von Reamonn besteht, ist man als dort vertretene Band natürlich "befreundet" und bettelt auf deren Pinnwand um ihre Stimmen für die präsentierten Songs oder Videos aus den vier Bereichen Pop, Rock, Urban und Elektro.

Aber auch normalsterbliche Mitglieder bei Music Nation müssen vom eigenen Talent überzeugt werden und zu ergebenen Fans gemacht werden. Seit dem 3. Dezember hangeln sich die Bands nun schon über die Vorrunde bis hin zum Finale. Los geht das am 18.2. und was winkt, ist ein exklusiver Plattenvertrag mit Universal.

Das Geschäft mit jungen Talenten ist im Moment groß im Gange. Man darf gespannt sein, wem von ihnen eine ehrliche Chance gegeben wird oder ob sich lediglich der große Traum vom Ruhm von den Plattenfirmen und Betreibern zu nutze gemacht wird.

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