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Die Gedanken des Asphalts

18.07.08

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Straßenmusik existiert nicht erst seit dem Entstehen der Einkaufspassagen, sondern hat eine lange Tradition.

Es waren Spieleute, Gaukler und Schausteller, umherziehende Geistliche, entlaufende Mönche. arbeitscheue Gauner, Bänkelsänger und Bettelmusikanten. Einerseits hochgeehrte Gäste, andererseits verachtete Tagediebe, ein wahrlich "Buntes Volk".

Seit dem 7. Jahrhundert begleiteten berufsmäßige Schausteller, Akrobaten, Zauberkünstler und Musikanten die europäische Kulturgeschichte.
Vor allem bei höfischen Festen und Kirchweihfesten verbreiteten die fahrenden Leute die volkssprachliche Dichtung und spielten zum Tanz.
Neben der katholischen Kirche, dem Ritterwesen und den lateinisch dichtenden Gelehrten waren sie die Hauptträger der mittelalterlichen Musikkultur.

Im 12. und 13. Jahrhunderts mischten sich unter die fahrenden Leute viele Studenten und entlaufende Kleriker. In den sinnfreudigen Trink- und Liebesliedern (Carmina burana) und Spruchdichtungen mit sozialen und politischen Inhalten parodierten sie stellenweise die Kirche und gegenwartsbezogene Streitgespräche.
Die geistliche und weltliche Obrigkeit erzürnte sich über erotische oder zeitkritische Lieder, doch das Volk fand schnell grossen Gefallen an dieser Unterhaltung.

So fungierten die Spielleute als Bindeglied zwischen den einzelnen Gruppen. Die Leute auf den Strassen lauschten, staunten und tanzten zu den gesanglichen und instrumentalen Darbietungen.

Die Bildung eines gehobenen Instrumentalmusiker innerhalb des kirchlichen Stande als auch der "seßhafte" Ehrbegriff des Mittelstandes diffarmierten die "Vagabunden" letztlich zu Rechtlosen. Ihr Beruf wurde als Ehrlos betitelt, sie durften keiner handwerklichen Zunft beitreten und wurden nachts wie Abfall aus der Stadt geschmissen.

Um sich in der Gesellschaft zu integrieren schlossen sich die Spielleute Ende des 13. Jahrhunderts in eigenen Zünften zusammen.

Neben ihrer sozialen Rolle nahmen die "Musikanten" eine bedeutende Rolle in der Verbreitung von Zeitungsliedern ein.
Sie vermittelten wirkliche und erfundene Ereignisse in mündlicher Form und und trugen somit zur Verbreitung dieser unterhaltenden "Nachrichten" untern den Analphabeten bei. Grossen Wert legte man dabei auf Aktualität und auf die erzieherisch-moralische Komponente.

Heute begegnen wir Strassenmusikern vor allem in Einkaufspassagen, auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen.

Wir versuchen rastlos an ihnen vorbei zu huschen und doch werfen sie uns aus den Gedanken und Wege, die wir eben noch eingeschlagen haben. Wir werden für eine kurze Zeit spontanes Publikum, wir applaudieren und werfen als Dank ein paar Münzen in die Kiste.

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