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Der Fluss der Musikindustrie – eine abstruse Chartbeobachtung

15.08.08 Fast so gut wie Oliver Geißen

von   kommentieren

Ich habe mich heute Vormittag über einen post bei diesem Musikblog köstlich amüsiert. Der Schreiber spürt in seinem Beitrag die Musiktrends seit den 90er Jahren auf und kommt als selbsternannter guter Chartbeobachter auf die wesentlichen Trends.

"Zu erwähnen seien da die Neue Deutsche Welle, die Deutsche Hip-Hop Welle ausgelöst durch die Fantastischen Vier oder etwa die Latino-Welle angeführt von Marc Anthony, Enrique Iglesias, Jennifer Lopez und Ricky Martin. Nicht zu vergessen sind die unvergesslichen Zeiten, als Boy- und Girlbands mit für sie vorproduzierten Songs und Tanzschritten noch richtig Geld machen konnten."

Da muss ich als Nichtchartbeobachter wohl in der falschen Zeit oder im falschen Ort gelebt haben. Das kam im Osten wohl nicht an. Oder hab nur ich zu U96s "Das Boot" Pflaumen gepflückt, zu Snap den "Oops Up" gestept und zum restlichen Eurodance den Partyfinger in die Luft gestreckt. Und das lief in jeder Disse. Also da fehlen mir in der Aufzählung schon einmal zwei wichtige Charttrends.

Im nächsten Abschnitt kommt folgender bemerkenswerter Satz.

"Leider gibt es und wird es kein Rezept für einen Erfolgssong oder -album geben. Auch wird keiner vorraussagen können, wann welcher Stil angepasst ist."

Ich hätte da ein Rezept aus Omas Zeiten: Einfach die Leute solange zuballern bis auch der Letzte den bekloppten "Ketchup Song" gut findet. Funktioniert doch immer wieder und die Castingsshows, denen auch einige Zeilen des Beitrags gewidmet sind haben es doch anschaulich belegt. Auch wenn dieser Erfolg halt nicht von Dauer ist.

Noch im gleichen Absatz dann dieser bemerkenswerte Satz.

"Es bildeten sich Gegnergruppen gegen Castingshows und bald wurde das Image einer Castingsendung so weit runterkritisiert, das keiner mehr schauen wollte und neue Superstars wie Elli, Tobias Regner oder Bro’Sis und Nu Pagadi völlig untergingen und sich kurz danach auflösten."

Jetzt sind die Kritiker dieser Müllshows also schuld, dass der Schrott nicht seine beängstigten Quoten halten konnte. Die Kritiker versauen einem auch jeden voyeuristischen Spass. Und auf solchen angeblichen Superstars kann wohl jede halbwegs vernünftige Gesellschaft getrost verzichten.

Und nun kommt es dicke.

"Genauso schnell wie die Castings ins Negative fielen, ging auch der Deutsche Hip-Hop baden. Mit Vorreitern wie Sido, Bushido und Kool Savas wollte man der Amerikanischen Industrie Konkurrenz und schaffte das auch. Die Teenies in Deutschland waren begeistert und kauften die CDs, etwas das heute eher rar ist. Doch schon bald wurde man experimentierfreudiger und die Texte wurden immer heftiger und nicht mehr jugendfrei. Sogar der Bundestag setzte sich gegen die Rapper-Welle ein und beendete sie vorerst. Nur noch die wirklich starken Kämpfer Sido und Bushido haben das überlebt und können weiterhin ihre Platten herausbringen. Der Rest der Rapperfront ist verschollen oder untergetaucht. Ein kurzer Moment im Rampenlicht war das, meine Lieben!"

Nach den Castingshow Kritikern knöpft sich der Hip Hop Experte nun die Politiker-Riege vor. Also das nenn ich mal gewaltigen Bockmist.

Der Rest des Beitrags haut einem weitere tolle Chartbeobachtungen auf die Augen. Und zum Höhepunkt fordert der Schreiberling in bezug auf Magdeburgs Rache Tokio Hotel folgendes.

"Sie können Deutschland wahrlich repräsentieren, ohne dass wir uns schämen. Ja, wir sollten uns wirklich nicht schämen. Wir sollten uns freuen für sie, für uns."

Hand auf Herz und schreiend in den "Monsum". Warum sollte ich mich bitte schön freuen, dass es Tokio Hotel gibt? Damit mir jeder Touri für diesen Exportschlager auf die Schulter kloppt? Die kommen eigentlich auch gar nicht aus Deutschland. Kommen aus Ostdeutschland, ätsch.

Für den Spass am Freitag bitte hier klicken und ihr erfahrt außerdem, das illegale Downloads doof sind, neben Deutsch und Englisch auch die spanische Sprache durch die Radios dudelt. Nicht zu vergessen: Die Große Neue Deutsche Welle und die neue Kiddi-Bewegung.

Also packt euer Surfboard ein und wartet auf den nächsten gewaltigen Spot.

"Wir haben noch Talente."

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