Music Business

Musik-Flatrate für 1 € pro DSL-Anschluss

26.01.09 Ausgefallenes Projekt der Isle of Man

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myoon: Musik-Flatrate für 1 € pro DSL-Anschluss

Die Isle of Man, bekannt als Steuerparadies, plant ein ausgefallenes Projekt, um der Musikindustrie unter die Arme zu greifen: Jeder, der einen DSL-Anschluss hat (und das ist die überwiegende Mehrheit der 56.000 Internetnutzer der Insel), soll einen Pfund (rund 1 €) Gebühr zusätzlich zahlen. Das Geld geht über die Provider an eine spezielle Agentur, die berechnet wieviel Musik von welchem Copyright-Inhaber heruntergeladen wird – und das besonders auch über die illegalen, aber zahlreich vorhandenen P2P-Netzwerke.

Die Agentur verteilt die Einnahmen dann, sodass auch ein Betrag an die Labels geht.
Doch die sehen der Sache eher skeptisch entgegen. “Man will nicht all seine bisherigen Kunden vor den Kopf stoßen und bei einem geringer wertigen Modell landen”, sagt Michael Nash, der bei Warner Music für die Sparte der Geschäftsentwicklung zuständig ist.
Irgendwo verständlich, denn wenn man sich überlegt, dass selbst wenn alle Bewohner der Isle of Man sich einen schnellen Internetzugang verschaffen würden, nur 86.000 € in die Kassen der Musikindustrie fließen würden, ist es fraglich, ob man auf andere Weise nicht mehr verdienen könnte.
In Frankreich machte 2006 ein ähnlicher Vorschlag die Runde. Der Gesetzesentwurf schaffte es aber nie ins Kabinett – dank der Lobbyarbeit der Major Labels. Statt dessen wurde eine Zielsetzung vereinbart, die die Provider dazu verpflichten soll Seiten von Musikpiraten zu sperren. All zu viel ist in diese Richtung jedoch bis heute noch nicht passiert.

Zudem gibt es Kritik am Isle-of-Man-Projekt aus den eigenen Reihen: es sei unfair Nutzer zu besteuern, die gar nicht vorhätten das Internet für Musikdienste zu benutzen.
Dennoch: Ron Berry, zuständig für ausländische Investments und Intitiator der Idee, bleibt standhaft. Die Isle of Man könne, aufgrund ihrer Lage und Demographie ein ideales Testpflaster sein, um ein solches Vorhaben auszuprobieren. Man wolle sich als Vorreiter in technischen Innovationen etablieren. So war die Insel das erste Land, das flächendeckend 3G-Standart fürs Handy anbot und seine gesamte Bevölkerung mit DSL versorgen konnte.
Der Vorschlag zur “Rettung der Musikindustrie” wird mittlerweile im Parlament der Insel geprüft. (Die Isle of Man teilt mit Großbritannien übrigens nur das Staatsoberhaupt, macht aber eigene Gesetze.)

Mehr zum Thema “so geil” ist doch die Flatrate (bzw. “Das Jahr der Flatrate“) hat Jörn für euch rausgesucht.

via New York Times
Foto via flickr von Eirik Newth

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