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Hat last.fm seine Nutzer verraten?

25.02.09 Das Gerücht ging schnell rum, scheint falsch zu sein und macht last.fm richtig sauer

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myoon: Hat last.fm seine Nutzer verraten?

Oh, oh – da steht TechCrunch jede Menge Ärger ins Haus. Erik Schonfeld, ein Journalist mit 14 Jahren Erfahrung in der Branche, vertraut auf eine absolut lapprige Quelle und gefährdet mit dem Gerücht, last.fm hätte an die amerikanische GEMA Nutzerdaten weitergegeben, den Ruf des gesamten Blogs.
Jetzt sind last.fm und deren Eigner, CBS, mehr als sauer. Im Corporate Blog lässt “Mr. Audioscrobble” Richard Jones Dampf ab: “TechCrunch are full of shit”.

Völlig unverständlich erscheint mir, weshalb man solche schweren Anschuldigen loslässt, ohne eine verlässliche Quelle zu haben.
“Ich habe von einem Freund, der bei CBS arbeitet gehört…” ist nicht gerade ein Garant für wahre Informationen. Die Behauptung: last.fm hätte an die RIAA, dem harten US-Verschnitt unserer GEMA, Informationen weitergegeben. Mithilfe dieser sollten Nutzer identifiziert werden, die das neue U2 Album illegal heruntergeladen haben sollen. Dies ist technisch durchaus möglich, denn um neue Künstler und verwandte Musik zu empfehlen, zeichnet last.fm das User-Verhalten auf und registriert so mit dem Audioscorbbler, welche Musik gehört wird.

Wen das jetzt überrascht, der muss sich aber selbst an den Kopf greifen, denn ein Großteil des Erfolgs von last.fm wird nur dieser Software verdankt. Zwar wird das Gefahrenpotential dahinter nicht so stark kommuniziert (eigentlich gar nicht), jedoch blieben selbst Datenschützer immer auf dem Teppich. last.fm verspricht, nie Daten seiner Nutzer herauszugeben – zumindest keine Informationen, die eine Person identifizieren könnten, wie z.B. IP- oder E-Mail-Adresse.

Die unmittelbaren Reaktionen auf den Artikel bei TechCrunch waren kastastrophal. Vermutlich mehrere Tausend User verließen last.fm fluchtartig, löschten alle Daten und ihre Accounst. Denn auch wenn Autor Schonfeld heute behauptet, dass er die Story von Anfang an als Gerücht präsentiert habe, schien man eher von Tatsachen als vom Buschfunk auszugehen. Allen Ernstes kann man lesen, dass “last.fm (…) tatsächlich Daten an die RIAA weitergegeben hat”.
Da helfen nun die zarghaften Klarstellungsversuche auch nicht mehr. Bei CBS und last.fm ist man stinksauer. Gründer Richard Jones erklärt ausführlich, dass man von der 1. Stunde an immer sehr vorsichtig mit Nutzerdaten umgegangen sei und den TechCrunch Bericht sofort verneint hat. Im Abschlusssatz der Message fordert er alle Leser auf, zu sagen, dass man von einem Freund gehört habe, “TechCrunch are full of shit”, wenn das Gerücht noch einmal aufkäme.

Da selbst die RIAA nicht erklären kann, woher das Gerücht kommt, bleibt nur noch festzustellen, dass TechCrunch sich in ein tiefes Loch katapultiert hat. Ein Prozess vor Gericht ist sicher nicht auszuschließen.

via Music Ally, TechCrunch, last.fm

Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass ich in den vergangenen Monaten im Rahmen meiner Berichterstattung auch sehr oft auf TechCrunch zurückgegriffen habe. Umso erstaunter bin ich über diesen Fall. Dennoch sollten keine Bedenken zu den Artikeln bei myoon bestehen, weil alle Angaben stets über verschiedene Quellen validiert werden.

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