Music Business

Google öffnet Musik-Download

31.03.09 Ein Blick in Chinas Markt

von   kommentieren

myoon: Google öffnet Musik-Download

Leider (oder zum Glück?) begibt sich Google nicht in einem westlichen Land auf den Markt der Musik-Downloads, verschenkt dafür aber in China Titel. Finanziert durch Werbeeinnahmen stellen die Majors Sony, Universal und Warner sowie 400 Independent Labels Teile ihrer Kataloge zum kostenlosen Download zur Verfügung. Zu dem Angebot sind auch Songs von U2, Kayne West oder Beyonce zu zählen, die Hitlisten führen trotz großer Bekanntheit der amerikanischen Stars aber – wie üblich – chinesische Künstler an.

Der größte Markt an Internet-Usern zeichnet sich bislang nicht durch legale Downloads aus. Eine einfache Rechnung verdeutlicht, weshalb Experten die Gründung des Dienstes für eine “do or die” Aktion der Labels halten: Von 1,3 Milliarden Menschen im Land sind immerhin fast 300 Millionen im Internet (zum Vergleich: in der BRD sind rund 58 Mio. Menschen online), von denen über 70 Prozent Musik übers Netz heruntergeladen haben sollen. Laut dem Internationalen Verband der Phonoindustrie sind 99 Prozent dieser Downloads jedoch illegal. Und auch ansonsten ist es nicht gerade rosig um die Musikvertreiber im Reich der Mitte bestellt.

Da Google im chinesischen Markt ebenso ungünstig dasteht, kommt diese Innovation gerade recht. Der Suchmaschinen-Gigant sieht sich in der Volksrepublik vor dem Problem, dass der Anbieter Baidu deutlich vor den Amerikanern positioniert ist. Der Anteil an Suchanfragen für Baidu liegt rund 3x über dem der Amerikaner. Tendenz steigend.
Außerdem kommen Google’sche Musik-Ambitionen nicht von ungefähr. EMI, das sich nicht an dem Google Portal beteiligt, bietet seit Anfang 2007 seinen Katalog kostenlos als Stream (Download nicht möglich) an. Sony, Universal und Warner hatten Baidu im April 2008 wegen Urheberrechtsverletzungen erfolgreich verklagt, weil die Suchmaschine das Finden von illegalen Musik-Downloads auf dritten Seiten zuließ. Die Entschädigungssumme von 9 Mio. US-Dollar scheint die Labels nicht befriedigt zu haben, sodass sie mit dem Google Joint-Venture nun dem chinesischen Marktführer einen weiteren Stoß verpassen.

Auch wenn das Verschenken von Musik sicher nicht die beste Lösung darstellt, um besonders eine chinesische Jugend zum Musikkauf zu erziehen, stellt dieser Schritt doch einen interessanten Zug dar, um Labels auch Profit in Entwicklungsmärkten zu bescheren. Ein Engagment Google’s im westlichen Markt ist in naher Zukunft jedoch äußerst unwahrscheinlich.

via Bloomberg

Diskussion

Ein Kommentar für “Google öffnet Musik-Download”

Füge einen Kommentar hinzu