Aus für SellABand [UPDATE]

Aus für SellABand [UPDATE]

23.02.10 Diese Revolution in der Musikindustrie ist gescheitert

von   kommentieren

 

Das Jahr ist noch keine zwei Monate alt und schon gibt es die nächste Pleite zu verkünden. SellABand, auf deren Fundraising Plattform vor einigen Monaten die einstige Kult Hip Hop Band Public Enemy ganze 250 000 USD von ihren Fans für ein Album einsammeln wollte und daran grandios scheiterte ist nicht mehr zu erreichen. Kein gutes Zeichen und so prangt folgender Text auf der Adresse.

"On Friday February 19th, SellaBand AG requested provisional suspension of payments (moratorium). This was granted by the Court in Amsterdam on the same day. Yesterday, Monday February 22nd, this moratorium was changed into bankruptcy, with appointment of, Mr Paul Schaink, an amsterdam lawyer, as trustee. The trustee wishes to inform the ‘Sellaband community’ that, apart from a few technicalities, the completion of a transaction with a potential buyer of the business, is to be expected soon, in order to make a fresh start, safeguarding both the rights of Believers and Artists. More news will follow shortly.

On behalf of the trustee,"

Johan Vosmeijer
CEO SellaBand

UPDATE!
Laut musikmarkt hat SAB einen Käufer gefunden. Der neue Besitzer der SellaBand GmbH will die "fantastische" Plattform weiter ausbauen. Vosmeijer verlässt das start up. Michael Bogatzki wird neuer CEO.


Volkers Grassmuck erwidert das Positionspapier des BVMI
 

Kulturflatrate Ja oder Nein? Der BVMI sagt trotzig Nein und Volker Grassmuck nimmt in einem Gastbeitrag bei netzpolitik ausführlich Stellung zu dem im Januar veröffentlichen Positionspapier.

Dabei nimmt der Befürworter jeden der zehn Punkte unter die Lupe und kommt zu folgendem Fazit.

"Ein müdes Achselzucken ist die einzig mögliche Reaktion auf diejenigen, die die Kultur-Flatrate als Kapitulation, Enteignung oder Kommunismus verdammen wollen. Wo die Kultur-Flatrate ernsthaft, konstruktiv und ergebnisoffen geprüft wird, bin ich zumindest, der ich mich als Befürworter der Kultur-Flatrate persönlich angesprochen fühle, immer gerne bereit, meine Kenntnisse und Ideen in das Gespräch einzubringen. Auch wenn der BVMI sich noch schwer tut, ist aus dem Positionspapier die Bereitschaft herauszulesen, die Floskeln hinter sich zu lassen und in die immer breiter werdende konstruktive Debatte um die Kultur-Flatrate einzusteigen. Eines zumindest macht es deutlich: dass der BVMI der Kultur-Flatrate keinerlei nachhaltiges Konzept für die Zukunft von Kultur und Kreativität entgegenzusetzen hat."


Buch: Leonard Leeb – Der Wert künstlerischer Arbeit

Buch: Leonard Leeb – Der Wert künstlerischer Arbeit

08.02.10 Urheberrecht, Rechtewahrnehmung und Administration durch Verwertungsgesellschaften

von   kommentieren

 

Leonhard Leeb
Der Wert künstlerischer Arbeit Urheberrecht, Rechtewahrnehmung und Administration durch Verwertungsgesellschaften

facultas. wuv 2009
ca. 280 Seiten, broschiert
ISBN 978-3-7089-0388-0
ca. EUR 36,–

Das Buch beschreibt, wie die Verwertungsverankerung des einzelnen Werkes (einer Komposition) im Bereich des kollektiven Verwertungssystems durch den Aufbau einer Administrationsstruktur am effizientesten (Zeit- und Administrativaufwand) erfolgen kann und welche Voraussetzungen dabei zur Kontrolle der Erfüllung der Tantiemenansprüche bei den VGs strategisch gegeben sein müssen. Zweck des Buches ist, den einzelnem Rechteinhaber wie u.a. Komponisten und Interpreten ein Handwerkzeug in die Hand zu geben, um Erlöse aus den Verwertungen ihrer künstlerischen Inhalte, die von den Verwertungsgesellschaften wahrgenommen werden, zu erzielen.

MMag. Dr. Leonhard Leeb lehrt an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien „Musikmanagement“. Rege Vortragstätigkeit über Musikmanagement, Talentförderung und Künstlerentwicklung an Weiterbildungsinstitutionen und Musikuniversitäten.

Eine ausführliche Rezension zu diesem Buch gibt es bei Musikwirtschaftsforschung.


The Death of MySpace (2003-2010)
 

Zum Wochenausklang gibt es ein witziges Video zum Tode von myspace. Für Musiker mag myspace noch ein sinnvolles tool sein, aber für den Rest ist es seit langen schon Schnee von gestern bzw. wurde die einstige Goldgrube von Rupert Murdoch von Facebook überholt. So ruhe in Frieden lieber Tom und Film ab.


[Direktlink]

via twitter @tanith


Wie man ein Entertainmentsklave wird

Wie man ein Entertainmentsklave wird

29.01.10 Die Castingvereinbarung für "The X-Factor"

von   4 Kommentare

 

Man mag von Castingsshows wie DSDS oder Popstars & Co. halten was man will.
Freakshow, große Abendbespassung, Karneval der Verblödung oder Karrieresprungbrett für Talente, die Meinungen darüber mögen unterschiedlich sein – das Kalkül der Produzenten ist dagegen knallhart, wie die Castingvereinbarung (pdf) für den im Sommer auf VOX und RTL anlaufenden "The X-Factor" beweist.

Die versprochene “Karierre im Musikbusiness” wird nur dann "gewährleistet", wenn die Teilnehmer jegliche Rechte abtreten und bereit sind sich als Entertainmentsklaven dem Diktat der Quotenjunks bedingungslos zu unterwerfen. Die Anwälte der als Produzent agierenden Grundy Light Entertainment GmbH haben jedenfalls gute Arbeit geleistet und ein perfekten Knebelvertrag aufgesetzt. Aber vorher wird dem Teilnehmer noch einmal ordentlich Honig ums Maul geschmiert, wobei man eventuell schnell in Versuchung gerät die einzelnen Punkte einfach zu überspringen und gleich zu unterschreiben.

Artikel weiterlesen
Matthias Spielkamp’s offener Brief an die Musikindustrie

Matthias Spielkamp’s offener Brief an die Musikindustrie

28.01.10 Die Tricks des BMVI bezüglich der Kulturflatrate

von   kommentieren

 

Nachdem sich der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) vor einigen Tagen mit einem Positionspapier gegen die Kulturflatrate aussprach, wendet sich nun der Journalist, Blogger und Gründer von iRights.info Matthias Spielkamp mit einem offenen Brief an den Geschäftsführer des Verbandes Michael Michalk.

Dass die Lobbyverbände der Musikindustrie bei Zahlen bezüglich illegaler Downloads und den angeblichen Schaden für die Rechteverwerter schummeln hat bereits Ars Technica in seinen Beitrag 750,000 lost jobs? The dodgy digits behind the war on piracy eindrucksvoll belegt.

Spielkamp hingegen befasst sich mit der Begründung der dritten These des Positionspapier. Diese besagt: Die Kulturflatrate führt zu einer unverhältnismäßig hohen Belastung aller Konsumenten und benachteiligt sozial Schwache. Der deutsche Lobbyverband bedient sich laut Spielkamp eines Tricks, um den Leuten vorzugaukeln, die gefürchtete Kulturflatrate wäre ein teures Vergnügen und die Musikindustrie trete lediglich für das soziale Wohl Aller ein. So stellt der BVMI fest:

Die Kulturflatrate führt zu einer unverhältnismäßig hohen Belastung aller Konsumenten und benachteiligt sozial Schwache. Mit fortschreitender Digitalisierung und zunehmendem Ausbau der Bandbreiten sind immer mehr Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft vom unrechtmäßigen Gebrauch ihrer Produkte betroffen. Eine Kulturflatrate müsste mittelfristig nicht nur Musik, Filme oder Bücher erfassen, sondern würde alle Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft betreffen. Nach Schätzungen der Bundesjustizministerin kämen auf jeden Verbraucher mit Internetanschluss zusätzliche Kosten in Höhe von 50 Euro pro Monat zu. Gerade sozial Schwache können sich das nicht leisten.

Spielkamp kommentiert diese Begründung…

Schätzungen der Bundesjustizministerin? Das ist interessant. Können Sie mir dafür eine Quelle nennen? Sie meinen doch hoffentlich nicht die Interviews, in denen die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sagte, dass die Kosten für jeden Einzelnen bei fünfzig Euro im Monat liegen könnten, oder? Weil, wenn Sie das meinen, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass da ein Missverständnis vorliegt.

… und kommt zu folgenden Fazit.

Ich gehe (weiterhin) davon aus, dass alles, was von dieser Industrie kommt, als falsch betrachtet werden muss, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Zeit Online: Illegale Downloads und fragwürdige Zahlen – ein offener Brief an die Musikindustrie


BVMI: 10 Thesen gegen die Kulturflatrate

BVMI: 10 Thesen gegen die Kulturflatrate

26.01.10 Die Musikindustrielobby schlägt mit wackeligen Thesen zurück

von   4 Kommentare

 

Zum Thema Kulturflatrate hat sich der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) mit einem Positionspapier zu Wort gemeldet und sich dagegen ausgesprochen. BMVI Geschäftsführer Stefan Michalk fasst die Ablehnung der Kulturflatrate gegenüber der Welt zusammen.

"Was von den Befürwortern als Lösung aller Probleme gesehen wird, wäre letztlich nichts anderes als die Kapitulation der Politik vor der Komplexität des Urheberrechts in der digitalen Welt"

Anhand von zehn teilweise wackeligen Thesen fordert der Verband, dass die Idee als auch die Umsetzung dieser Flatrate wieder in den Schubladen verschwindet und die bestehenden Marktmechanismen weiterhin zum Tragen kommen. Wackelig weil Aussagen, wie Die Kulturflatrate führt zu einer Entwertung des geistigen Eigentums oder Die Flatrate entzieht den neuen digitalen Geschäftsmodellen die ökonomische Basis nicht belegt werden können.

Der Begriff geistiges Eigentum wird taktisch mißbraucht und die zweite Unterstellung ist nonsens, denn noch wurde die Kulturflatrate nicht einmal gestestet und der Beweis dafür erbracht, dass iTunes & Co. wirklich ihre Türen schliessen müssen, weil dann niemand mehr Musik kauft. Anstatt schlagkräftiger Argumente vorzubringen, skizziert der Verband lieber ein düsteres Szenario und beklagt die Entwertung von Musik, eine Entrechtung der Kreativen und somit den Untergang der kulturellen Vielfalt.
Aber lesen sie selbst, wie der BVMI seine Abneigung im Einzelnen untermauert.

1. Die Kulturflatrate ist unfair, weil Verbraucher für etwas bezahlen, was sie gar nicht nutzen.
Heute kann der Konsument nach persönlichen Vorlieben entscheiden, ob er sein Geld lieber für Musik, Filme, Bücher oder andere Kulturprodukte ausgibt. Dabei kann er bereits heute wählen, ob er einen einzelnen Song kaufen möchte oder lieber ein Musikabonnement abschließt. Mit der Kulturflatrate hat das ein Ende. Denn sie ist – ähnlich wie die GEZ – eine Zwangsabgabe, mit der Verbraucher für etwas bezahlen müssen, dass sie unter Umständen gar nicht nutzen.

2. Die Kulturflatrate entzieht gerade den neuen digitalen Geschäftsmodellen die ökonomische Basis.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft arbeitet mit Hochdruck am Aufbau neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Die Kulturflatrate würde diese Anstrengungen torpedieren. Wenn im Internet Musik, Filme oder Bücher bei Zahlung einer Pauschalabgabe ohne Schranken frei verfügbar sind, gibt es für Konsumenten keinen Grund mehr, die bestehenden legalen, kostenpflichtigen Angebote zu nutzen. Die ohnehin schon risikoreichen Investitionen bleiben aus, weil man mit „kostenlos“ nicht konkurrieren kann.

3. Die Kulturflatrate führt zu einer unverhältnismäßig hohen Belastung aller Konsumenten und benachteiligt sozial Schwache.
Mit fortschreitender Digitalisierung und zunehmendem Ausbau der Bandbreiten sind immer mehr Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft vom unrechtmäßigen Gebrauch ihrer Produkte betroffen. Eine Kulturflatrate müsste mittelfristig nicht nur Musik, Filme oder Bücher erfassen, sondern würde alle Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft betreffen. Nach Schätzungen der Bundesjustizministerin kämen auf jeden Verbraucher mit Internetanschluss zusätzliche Kosten in Höhe von 50 Euro pro Monat zu. Gerade sozial Schwache können sich das nicht leisten.

4. Die Kulturflatrate erfordert den Aufbau eines gigantischen Bürokratie- und Verwaltungsapparates.
Ließ sich die Erhebung einer Kulturflatrate noch vergleichsweise einfach organisieren, fangen die Probleme bei der Verteilung der Gelder erst richtig an. Schon heute beschäftigen Verwertungsgesellschaften Heerscharen von Mitarbeitern für die Erfassung, Bewertung und Verteilung von Lizenzeinnahmen. Die Kulturflatrate würde diesen Verwaltungsaufwand gigantisch erhöhen. Während der Kulturflatrate viele attraktive Arbeitsplätze bei Labels, Verlagen oder Filmproduktionen zum Opfer fallen würden, schafft sie gleichzeitig tausend langweilige für die Verwaltung und Verteilung. Schöne neue Kreativarbeitswelt.

5. Die Kulturflatrate verflacht die Kultur.
Bei der Kulturflatrate ist ein Song aus dem Computer genauso viel wert wie Beethovens Neunte, ein Pornofilm das gleiche wie ein cineastisches Meisterwerk und der Groschenroman steht auf einer Ebene mit dem literarischen Klassiker. Weil für die Abrechnung nur die Masse der Downloads zählt, entfällt jeder Anreiz Zeit und Geld in Nischenprodukte zu investieren. Die kulturelle Vielfalt nimmt ab. Die Kultur verflacht.

6. Die Kulturflatrate nimmt Urhebern und Künstlern das Recht über die Verwendung ihrer Werke selbst zu bestimmen.
Heute können Urheber, Künstler, Autoren und andere Rechteinhaber frei darüber entscheiden, wie und wo ihre Werke und Produkte verwendet werden dürfen. Sind im Internet alle Kulturgüter auch nur für den nicht kommerziellen Gebrauch frei nutzbar, kommt dies einer Enteignung der Rechteinhaber gleich. Denn wenn die Kulturflatrate Sinn haben soll, hat der Konsument keine Möglichkeit mehr zu unterscheiden, was legal und was unter Umständen illegal ist. Dementsprechend kann der Rechteinhaber sich auch nicht mehr dagegen wehren, wenn er nicht will, dass seine Produkte im Netz frei verfügbar sind.

7. Die Kulturflatrate widerspricht den ökonomischen Prinzipien unserer Gesellschaft.
Bestehende, markwirtschaftliche Prinzipien in der Kultur- und Kreativwirtschaft haben eine einzigartige kulturelle Vielfalt hervorgebracht. Wesentlicher Bestandteil einer freien Marktwirtschaft ist, dass der Produzent über die Verwertung seiner Produkte frei entscheiden kann. So kann er beispielsweise über den Preis frei entscheiden. Diese grundlegenden Prinzipien werden durch die Kulturflatrate außer Kraft gesetzt, denn mit der Einführung der Kulturflatrate wird privates geistiges Eigentum zum öffentlichen Gut. Die Kulturflatrate ist die Verstaatlichung der Kultur- und Kreativwirtschaft.

8. Die Kulturflatrate verstößt gegen international geltendes Urheberrecht. Die Kulturflatrate verstößt gegen wesentliche Prinzipien des international geltenden Urheberrechts. Gerade aber weil sie Probleme lösen soll, die erst durch das globale Medium Internet entstanden sind, ist sie als nationaler oder europäischer Alleingang völlig untauglich.

9. Die Kulturflatrate führt zu einer Entwertung des geistigen Eigentums.
Durch Flatrates geht beim Konsumenten das Gefühl für den Wert individueller, kreativer Leistung verloren. Was beim Telefonanschluss oder Internetzugang sinnvoll sein mag, taugt nicht als ökonomisches Prinzip zur Erreichung von kulturellen Höchstleistungen.

10. Die Kulturflatrate wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Die Digitalisierung und das Internet haben die Komplexität des Urheberrechts enorm erhöht. Da erscheint die Kulturflatrate – ähnlich wie die Steuerreform auf dem Bierdeckel – als einfache Lösung einer zunehmend komplexer werdenden Welt. Aber der Schein trügt. Wer soll ihre Höhe festlegen? Wer legt fest, was ein Buch, ein Film, ein Musikstück oder ein Foto wert ist? Wer entscheidet über die Verteilung innerhalb der einzelnen Bereiche der Kreativwirtschaft? Wie soll die Nutzung gemessen werden, ohne beispielsweise den Internetverkehr zu überwachen und damit datenschutzrechtliche Fragen aufzuwerfen? Welche Institution soll die Gelder verteilen? Wie bleiben die Eigentumsrechte der Urheber und Leistungsschutzrechtinhaber gewahrt? Wo sollen in Zukunft die Anreize für Investitionen in junge Talente herkommen? Wer entscheidet darüber wer Künstler und was Kunst  ist und wer kein Künstler und was nicht Kunst ist? Wer soll an ihr beteiligt werden, nur die Urheber und Künstler oder auch Labels, Verlage und Produzenten? Die Liste dieser Fragen ließe sich endlos weiterführen. Stellt man sie den Befürwortern der Kulturflatrate, erntet man meist nur ein müdes Achelzucken. Bis sie beantwortet sind, bleibt die Kulturflatrate nur Floskel ohne Inhalt und kein nachhaltiges Konzept für eine zukunftsfähige Kultur- und Kreativwirtschaft.

Damit lässt der Verband kein gutes Haar an der Kulturflatrate und bedient sich dabei typischer Klischees. Man warnt vor einer "Zwangsabgabe", die vor allem einen "gigantischen Bürokratie- und Verwaltungsapparat" finanziert. Die viel beschworene kulurelle Vielfalt wird untergehen, neue Geschäftsmodelle ebenfalls. Sozial schwache Konsumenten werden benachteiligt, während die Kreativen entrechtet und das geistige Eigentum damit entwertet wird. Insbesondere die fünfte These Die Kulturflatrate verflacht die Kultur und deren Begründung schreit zum Himmel. Warum soll ein "Songs aus dem Computer" nicht den gleichen kulturellen Stellenwert besitzen wie Beethovens Neunte? Wer entscheidet denn darüber was kulturell relevant ist und was nicht. Der BVMI?

Mit diesem Schwarz/Weiß-Denken – bestehende ökonomische Prinzipien sind ganz toll für die Kreativen als auch für die Konsumenten vs. Kulturflatrate ist schlecht für die Wirtschaft und Kultur bezieht der Verband eine eindeutige Position, auf die gulli bereits mit eigenen Statements geantwortet hat.

Damit kommt die Diskussion um ein Für-und Wider der Kulturflatrate wieder in Schwung. Das Positionspapier wandert zur Zeit durch die Twitterwelt und wird wohl noch einige Reaktionen nach sich ziehen. Ob eine Anäherung bzw. eine konstruktiver Dialog zwischen Befürwortern und Gegner damit in Gang gesetzt wird, bezweifle ich. Die Flatrate ist zwar wieder in aller Munde, ihre Umsetzung jedoch rückt dank Druck von einer allzumächtigen und rückwärtsgewandten Musikindustrielobby wohl in weite Ferne.


Rock The Biz – Sneak Preview bei peoplezapping.com

Rock The Biz – Sneak Preview bei peoplezapping.com

20.01.10 Doku über das neue Musikbusiness

von   2 Kommentare

 

Am Freitag (22.1.) gibt es bei peoplezapping.com die Sneak-Preview der bereits vorgestellten Musikbusinessdoku Rock The Biz. Der Stream startet um 11.00 20.00 Uhr und im Anschluss der Preview gibt es bis 17.00 2.00 Uhr noch ein wenig Party inklusive DJ Beschallung.

Rock The Biz – Sneak Preview on peoplezapping.com

www.rockthe.biz


Konzertbusiness: Freier Markt oder staatliche Subventionen?

Konzertbusiness: Freier Markt oder staatliche Subventionen?

19.01.10 Eine Grundsatzdiskussion zur momentanen Schieflage im Konzertbereich

von   kommentieren

 

Seit dem Niedergang der Tonträgerindustrie gilt das Livebusiness als Hoffnungsschimmer für Musiker. Wer viel spielt, der wird möglicherweise bekannt und kann im besten Fall von seiner Musik leben. Doch ist dies wirklich so oder manifestiert sich in der momentanen Goldgräberstimmung im Livesegment eine Zweiklassengesellschaft bestehend aus millionenschweren Stars und Musikern, die trotz ausgedehnter Touren am Ende doch nicht von ihren Auftritten allein leben können? Und wie sieht es mit staatlichen Subventionen aus. Können sie einen funktionierenden Kulturbetrieb fördern, bei dem alle ihren Gewinn daraus ziehen?

"Das Konzertgeschäft floriert und trocknet sich dabei selbst aus. Großkonzerne und Superstars kontrollieren die Branche, aber an die eigene Zukunft denken sie nicht."

Zu dieser Festellung kommt Kolja Reichert in seinem Zeit-Artikel So geht Gewinnmaximierung. Und genau im Begriff der Gewinnmaximierung liegt das Übel für ein laut Reichert entstehendes "Künstlerprekariat". Waren die Majors zu ihren besten Zeiten trotz Profitinteressen noch daran interessiert Acts aufzubauen, scheinen es die führenden Konzertagenturen wie Live Nation, Ticketmaster oder CTS Eventime vorrangig auf kurzfristige Rendite abgesehen zu haben.
Und Rendite versprechen Stars wie U2, Madonna oder Jay-Z. Das Risiko Konzerte von kleinen Bands und Newcomeracts zu veranstalten ist ihnen zu groß und so scheint gerade der Aufbau von unbekannten Musikern durch das Livegeschäft ad absurdum geführt.

Artikel weiterlesen
Die mathematische Struktur von Hits

Die mathematische Struktur von Hits

13.01.10 Die Software "Hit Song Science" soll das Erfolgspotential von Songs berechnen

von   3 Kommentare

 

Früher zermürbten sich die A&Rs den Kopf darüber, ob ein Song auch wirklich das Zeug zu einem Hit hat. Oftmals lagen die Labels trotz kostspieliger Vorab-Analysen daneben, denn Irren ist zuweilen menschlich und der Hörer/Konsument ist dann doch nicht so durchschaubar, wie man es gerne hätte.

Auf der Suche nach den Songs mit Hitpotential will das US-amerikanische Unternehmen Music Intelligence Solutions Musikern und Labels mit Hilfe des Programms Hit Song Science unter die Armee greifen. Vor sieben Jahren wurden Songs der unbekannten Nora Jones durch die ersten Tests der Software geschickt. Das Album wurde -Oh Wunder- ein Erfolg und der HIT Code schien erstmalig in der Praxis aufzugehen. Seitdem versucht man es Musikern schmackhaft zu machen und launchte 2009 den Bezahl – Musikdienst Uplaya.com.

Die auf computergestützte Datenanalysen beruhende Software verfolgt dabei eine simple These. Musik ist Mathematik und die Konstellationen erfolgreicher Songs lassen sich daher am Rechner entschlüsseln.
"We’ve found constellations of songs recognized as good songs," sagt CEO David Meredith dem San Franciso Chronicle und glaubt scheinbar fest an die Berechnung und Entschlüsselung mathematischen Algorithmen in der Musik.
Um den DNA-Code von Hits zu knacken erstellte MIS eine Datenbank von Hits der letzten 6 Jahrzehnte. Millionen von Songs wurden auf musikalische Aspekte wie Rhythmus, Harmonien, Text, Sprache oder Stimmung analysiert und entsprechende mathematische Hitmuster daraus gestrickt.

Ob sich demnächst einige Hitmonster aus diesem Dienst schälen werden, bleibt abzuwarten. Bisher konnte die Technologiefirma aus San Francisco keinen Profit erwirtschaften, doch MIS hofft auf eine "Demokratisierung der Musikindustrie" zu ihren Gunsten.

Über den Sinn bzw. Unsinn des Service spricht der Ö1 heute nachmittag im digital.leben podcast mit dem Musikwissenschaftler Ralf von Appen.

[via Futrezone]